Volksbühne scheitert mit Verfluchtes Glück: Klischees statt Kunst
Volksbühne scheitert mit Verfluchtes Glück: Klischees statt Kunst
Premiere mit Pannen: Die Volksbühne Berlin zeigt Verfluchtes Glück/Kult der Tochter – und scheitert an Klischees und fragwürdigen künstlerischen Entscheidungen
Die Berliner Volksbühne brachte kürzlich die Weltpremiere von Verfluchtes Glück/Kult der Tochter auf die Bühne, einer Inszenierung, die Tove Ditlevsens autofiktionales Schaffen mit neuen Texten von Olga Ravn und Beiträgen des Rappers addeN verbindet. Doch die ehrgeizige, dreieinhalbstündige Produktion erntete scharfe Kritik – vor allem für ihre Darstellung von Frauen und zweifelhafte künstlerische Entscheidungen.
Im Mittelpunkt der Aufführung steht die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen, bekannt für ihren literarischen Erfolg und ihre persönlichen Kämpfe. Doch statt ihre Selbstbestimmung und Komplexität zu zeigen, reduziert die Inszenierung sie auf eine passive, opferhafte Figur. Die Schauspielerin Ann Göbel spielt Ditlevsen als naives Kindweib – mit blonder Barbie-Perücke und jungfräulich weißem Kostüm –, was veraltete Klischees bedient.
Besonders umstritten ist eine Szene, in der Georg Friedrichs Figur einen Vergewaltigungsfall schildert und dabei mögliche Rechtfertigungen anführt. Kritiker nannten dies realitätsfremd und unangemessen, besonders angesichts der aktuellen öffentlichen Debatten über sexualisierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit. Berichten zufolge verließen zahlreiche Zuschauer:innen vorzeitig den Saal.
Auch die Regie stand in der Kritik. Benny Claessens, eher für seine Bühnenpräsenz als für eine klare künstlerische Vision bekannt, verantwortete eine Produktion, die von Kritiker:innen als Zeit-, Geld- und Geduldverschwendung bezeichnet wurde. Selbst die langjährige KRimi-Reihe Tatort schreibe fortschrittlichere Frauenfiguren, hieß es spöttisch.
Trotz hochkarätiger Beteiligter und eines mutigen Ansatzes verfehlte Verfluchtes Glück/Kult der Tochter sein Versprechen, Frauenstimmen zu stärken. Stattdessen reproduzierte die Inszenierung Klischees und hinterließ ein frustriertes Publikum.
Die jüngste Produktion der Volksbühne sorgt nun für Diskussionen – nicht wegen ihrer Innovation, sondern wegen ihrer Fehltritte. Indem sie komplexe Frauenfiguren auf abgedroschene Klischees reduziert und heikle Themen verunglücken lässt, verpasste das Stück die Chance, Tove Ditlevsens Erbe zu würdigen. Seine Rezeption dient nun als abschreckendes Beispiel im zeitgenössischen Theater.
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