Aktivistin spendet Weimers umstrittene Gedichte an Nationalbibliothek – und stellt sie online
Lea WagnerAktivistin spendet Weimers umstrittene Gedichte an Nationalbibliothek – und stellt sie online
Die Aktivistin Martha Root hat die frühe Gedichtsammlung Kopfpilz von Minister Wolfram Weimer der Deutschen Nationalbibliothek gespendet. Zudem stellte sie eine kostenlose digitale Kopie auf Archive.org zur Verfügung. Diese Aktion folgt auf eine öffentliche Kontroverse über den Inhalt des Werks und frühere Äußerungen Weimers zu physischen Medien.
Weimer veröffentlichte Kopfpilz 1986 im Alter von 22 Jahren im Selbstverlag. Jahrzehnte später präsentierte der Satiriker Jan Böhmermann die Sammlung im November 2022 in der Sendung ZDF Magazin Royal. Nach der Ausstrahlung ließ Weimers Anwalt dem ZDF einen Brief wegen des Beitrags zukommen.
Root ging seitdem noch weiter: Im Dezember 2022 infiltrierte sie auf dem Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform White Date. Später kündigte sie an, ein physisches Exemplar von Kopfpilz versteigern zu wollen, um die Initiative Lesen Hilft zu unterstützen, die linke Buchhandlungen fördert.
In einem Video, in dem sie ihre Aktion enthüllte, kritisierte Root Weimers Ministerium scharf. Sie warf ihm vor, linke Buchhandlungen zu benachteiligen und mögliche Interessenkonflikte zu haben. Zudem verurteilte sie die Gedichte in Kopfpilz als Beispiele für „Vergewaltigungskultur“ und bemängelte, dass Weimer sich nie mit seinem Frühwerk auseinandergesetzt habe. Zuvor hatte sein Ministerium behauptet, physische Mediensammlungen seien im digitalen Zeitalter überholt.
Die Gedichtsammlung ist nun in der Deutschen Nationalbibliothek archiviert und online abrufbar. Roots Versteigerung soll Gelder für linke Buchhandlungen sammeln. Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen nach der Verantwortung für frühere Werke und dem Zugang zu physischen Medien auf.






