Wie eine Internetbewegung 2012 gegen das "Schnabelgesicht" rebellierte
Lara LangeWie eine Internetbewegung 2012 gegen das "Schnabelgesicht" rebellierte
Eine wachsende Online-Bewegung richtete sich 2012 gegen einen beliebten Social-Media-Trend: die "Anti-Schnabelgesicht"-Kampagne. Sie rief Nutzer dazu auf, auf übertriebene Schmollmund-Posen in Fotos zu verzichten. Die Gegenbewegung gewann an Fahrt – mit einem eigenen Blog, einer Facebook-Seite und sogar einem "Anti-Schnabelgesicht-Tag" am 22. Juli.
Der Begriff "Schnabelgesicht" (im Englischen Duckface) beschreibt eine Pose, bei der vor allem junge Frauen die Lippen übertrieben spitzen, als wollten sie einen Kuss andeuten. Der Trend verbreitete sich rasant auf Plattformen wie Facebook und Instagram, ohne dass bestimmte Prominente als Auslöser ausgemacht wurden.
Die Kritik formierte sich in der Anti-Schnabelgesicht-Bewegung, die einen Blog unter antiduckface.com und eine Facebook-Community einrichtete. Das deutsche Comedy-Trio Y-Titty gab der Aktion eine Stimme und rief den Anti-Schnabelgesicht-Tag am 22. Juli 2012 ins Leben. Rund 21.000 Menschen beteiligten sich, tauschten ihr Profilbild gegen ein Kampagnen-Abzeichen aus und setzten so ein Zeichen.
Zum Anlass veröffentlichte Y-Titty eine Hymne auf YouTube, die die Pose persiflierte und Unterstützer mobilisierte. Der Song wurde zum Teil einer spielerischen, aber treffsicheren Kritik am Trend – mit viel Humor und digitalem Aktivismus.
Der Anti-Schnabelgesicht-Tag 2012 zog Tausende in seinen Bann und wurde zu einem bemerkenswerten Moment der Internetkultur. Die Aktion spiegelte einen Wandel in der Haltung gegenüber Social-Media-Trends wider und hinterfragte mit Witz und Engagement ein weit verbreitetes Phänomen. Die Wirkung der Bewegung beschränkte sich nicht auf einen einzigen Tag, sondern prägte auch die Debatte über Online-Verhalten nachhaltig.