Solinger Kirche reformiert sich angesichts von Mitgliederschwund und Finanznot
Niklas NeumannSolinger Kirche reformiert sich angesichts von Mitgliederschwund und Finanznot
Der Kirchenkreis Solingen der Evangelischen Kirche hat umfassende Änderungen in seiner Struktur und seinen Beschäftigungspraktiken angekündigt. Superintendentin Dr. Ilka Werner ging in ihrem Jahresbericht an die Synode zudem auf drängende gesellschaftliche und ethische Fragen ein. Die Kirche steht vor finanziellen Herausforderungen und einem prognostizierten Mitgliederschwund bis zum Jahr 2030.
Auf der Synode forderte Dr. Ilka Werner Solidarität mit Israel sowie eine klare Haltung gegen den wachsenden Antisemitismus. Angesichts des historischen Schwurs „Nie wieder!“ nach dem Holocaust bezeichnete sie die anhaltende Präsenz von Judenfeindlichkeit als unerträglich. Gleichzeitig mahnte sie zu Demut im Umgang mit diesen Themen.
Werner warnte, dass soziale Einrichtungen in Trägerschaft der Kirche ihre Leistungen möglicherweise kürzen müssten. Steigende Personalkosten und unzureichende staatliche Unterstützung belasten die Haushalte. Das Budget für den Kirchenkreis und seine zehn Gemeinden beträgt 2024 zwar 13 Millionen Euro, doch wird mit einem deutlichen Defizit gerechnet.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, werden bereits strukturelle Anpassungen vorgenommen. Ab 2026 werden haupt- und nebenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Kirchenmusik, Kinder- und Jugendarbeit direkt vom Kirchenkreis angestellt. Auch die Diakonie wurde mit mehr Eigenständigkeit ausgestattet, um flexibler und schneller handeln zu können.
Bis 2030 rechnet die Kirche mit einem deutlichen Rückgang – sowohl bei den Pfarrstellen als auch bei den finanziellen Spielräumen. Als Reaktion darauf wird der Kirchenkreis in drei regionale Cluster umstrukturiert. Pfarrerinnen und Pfarrer sollen künftig in Teams ganze Regionen betreuen, um die Zusammenarbeit zu intensivieren.
Der Kirchenkreis bereitet sich auf eine Zukunft mit knapperen Budgets und geringeren Ressourcen vor. Die Reformen zielen darauf ab, die Effizienz zu steigern und grundlegende Angebote aufrechtzuerhalten. Die Forderung nach Solidarität mit Israel und der entschiedenen Ächtung von Antisemitismus bleibt dabei ein zentrales Anliegen der Führung.
