Machtkampf um deutschen Pressevertrieb: Verlage drängen auf zentrales Großhandelsmodell
Leni HerrmannMachtkampf um deutschen Pressevertrieb: Verlage drängen auf zentrales Großhandelsmodell
Umbruch im deutschen Pressevertrieb: Verlage und Großhändler liefern sich Machtkampf um zentralisiertes System
Die deutsche Pressevertriebsbranche steht vor einem tiefgreifenden Umbruch, da Verlage und Großhändler um die Einführung eines neuen, zentralisierten Systems ringt. Das von großen Verlagshäusern getragene Bündnis FFF will bis 2026 die regionalen Großhändler durch einen einzigen nationalen Distributor ersetzen.
Zu den Unterstützern der FFF-Allianz zählen Schwergewichte wie Axel Springer, die Bauer Media Group und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ihr Plan sieht vor, die bisherigen 13 regionalen Großhändler durch einen zentralen Akteur abzulösen: die Presse-Grosso-Allianz (PGA). Nur vier Unternehmen sollen als „Systempartner“ erhalten bleiben, während andere auf reine Logistikdienstleistungen beschränkt würden.
Der Bundesverband Presse-Grosso lehnt die Pläne scharf ab. Er wirft den Verlagen vor, mit den Kündigungen der Verträge eine „bewusste und koordinierte Zerstörung“ eines unabhängigen Wirtschaftssektors zu betreiben. Vorstandsmitglied Thorsten Mauch warnte zudem, das FFF-Projekt könnte rechtlich unzulässig sein und während der Umstellungsphase zu erheblichen Störungen führen.
Die juristischen Auseinandersetzungen haben bereits begonnen. Das Landgericht Dortmund wies kürzlich Eilanträge der Großhändler PDG und Lütkemeyer gegen die Vertragskündigungen ab. Die Bundeskartellamt hat gegen die FFF-Initiative bisher keine Schritte eingeleitet, obwohl einige Großhändler Beschwerde eingelegt haben. Der Presse-Grosso-Verband kündigte an, bis zum Sommer eine ausgeweitete Klage einzureichen, um die Reform zu blockieren.
Trotz des Widerstands bekräftigte die FFF-Allianz ihren Kurs. Die Umstrukturierung solle wie geplant voranschreiten, wobei die PGA bis Ende 2026 die Rolle des zentralen Großhändlers übernehmen solle. Kritiker wie PDG und Lütkemeyer argumentieren jedoch, das Modell gefährde die diskriminierungsfreie Presseverteilung und könnte die Medienvielfalt untergraben.
Der Streit offenbart die tiefen Gräben über die Zukunft des Pressevertriebs in Deutschland. Während die Großhändler die Änderungen gerichtlich bekämpfen, treiben die Verlage ihr zentralisiertes Modell voran. Das Ergebnis wird entscheiden, auf welchem Weg Zeitungen und Zeitschriften künftig die Leser im ganzen Land erreichen.
