Landwirte kämpfen ums Überleben: Einkommen brechen um 30 Prozent ein
Niklas NeumannLandwirte kämpfen ums Überleben: Einkommen brechen um 30 Prozent ein
Deutsche Landwirte stehen vor einem drastischen Rückgang ihrer Einkommen – in diesem Geschäftsjahr wird mit einem Einbruch von fast einem Drittel gerechnet. Die Krise treibt viele an den Rand der Existenz: Selbst grundlegende Lebenshaltungskosten lassen sich kaum noch decken, von Investitionen in die Betriebe ganz zu schweigen. Branchenexperten führen den Niedergang auf steigende Ausgaben, sinkende Erzeugerpreise und strengere Vorschriften zurück.
Prognosen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zeichnen ein düsteres Bild: Konventionelle Vollerwerbsbetriebe werden im Wirtschaftsjahr 2025/26 im Schnitt nur noch 73.311 Euro erwirtschaften – ein Rückgang um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele familiengeführte Höfe geraten damit in existenzielle Not. Bei Gewinnen von kaum mehr als 70.000 Euro reicht das Geld kaum, um private Ausgaben, Steuern und Kreditraten zu begleichen, geschweige denn dringend notwendige Investitionen zu tätigen.
Analysen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und des Thünen-Instituts zeigen die vielfältigen Belastungen auf: Explodierende Produktionskosten – insbesondere für Energie und Düngemittel – drücken die Margen, während Extremwetterereignisse die Erträge gefährden. Verschärfte Umwelt- und Pestizidauflagen erhöhen den finanziellen Druck zusätzlich. Gleichzeitig entfallen durch die Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU bisher verlässliche Subventionen – ein wichtiges Sicherheitsnetz fällt weg.
Den Landwirten bleibt kaum Spielraum. Jeder verdiente Euro muss zuerst für Pflichtabgaben, Steuern und den Lebensunterhalt aufgewendet werden. Ohne Rücklagen bleiben dringend benötigte Modernisierungen von Maschinen oder Infrastruktur unerreichbar – mit langfristigen Folgen für die Produktivität.
Der Einbruch der Einkommen um 30 Prozent unterstreicht die Dramatik der Lage: Wenn die Gewinne nicht einmal mehr die Grundbedürfnisse decken, steht die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche auf dem Spiel. Verbände beobachten weiterhin, wie sich steigende Kosten, regulatorische Änderungen und Marktbedingungen auf die Überlebensfähigkeit der Betriebe auswirken.