Kriminelles Abfallnetzwerk in NRW aufgedeckt: 40 Verdächtige und 23.000 Tonnen Giftmüll
Lea WagnerKriminelles Abfallnetzwerk in NRW aufgedeckt: 40 Verdächtige und 23.000 Tonnen Giftmüll
Großrazzia deckt kriminelles Abfallnetzwerk in Nordrhein-Westfalen auf
Eine umfangreiche Ermittlung zu illegaler Abfallentsorgung in Nordrhein-Westfalen hat ein großangelegtes kriminelles Netzwerk aufgedeckt. Die Behörden werfen einem Abfallvermittler aus Unna vor, illegale Deponien betrieben, Betrug begangen und gefährliche Abfälle unsachgemäß behandelt zu haben. Die von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Umweltkriminalität geleitete Untersuchung läuft bereits seit eineinhalb Jahren.
Der 52-jährige Beschuldigte, der wegen Bestechung und Steuerhinterziehung vorbestraft ist, soll gefährliche Abfälle angenommen, mit harmlosen Materialien vermischt und umetikettiert haben, um Kunden und Behörden zu täuschen. Bei einer Durchsuchung seines Fahrzeugs beschlagnahmten die Ermittler 120.000 Euro in bar, 200 Gramm Gold und weitere Wertgegenstände. Zu seinen Vorstrafen zählt auch die Beteiligung an der illegalen Entsorgung von Abfällen aus der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen.
Der Mann arbeitete laut Angaben als "freiberuflicher Berater" für ein Recyclingunternehmen in Soest, dessen offizieller Firmensitz ein Wohngebäude ist, in dem mehrere Unternehmen gemeldet sind. Bisher wurden nur zwei Firmen – eine in Soest, eine weitere in Bottrop – direkt mit den illegalen Ablagerungen in Verbindung gebracht. Mittlerweile richtet sich das Ermittlungsverfahren jedoch gegen mehr als 40 Verdächtige, die mutmaßlich in das Netzwerk verwickelt sind.
An mehreren Standorten wurden große Mengen belasteter Erde entdeckt. Rund 23.000 Tonnen wurden illegal auf einem Gewerbegelände in Selfkant abgelagert, eine ähnliche Menge soll in Kiesgruben in Kamp-Lintfort entsorgt worden sein. Auch der Tagebau Garzweiler gerät als mögliche Deponie in den Fokus der Ermittler. Unterdessen leitet die Stadt Gelsenkirchen rechtliche Schritte ein, um Hersteller und Lieferanten nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz für die Abfallentsorgung zur Verantwortung zu ziehen.
Die Ermittlungen dauern an, während die Behörden das Ausmaß der illegalen Ablagerungen weiter aufklären. Die rechtlichen Maßnahmen Gelsenkirchens deuten auf eine verschärfte Gangart gegen Umweltsünder hin. Bisher wurden keine weiteren Unternehmen in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit dem Fall genannt.