16 April 2026, 20:06

Gastarbeiter-Generation: Einsamkeit und psychische Belastungen im Alter

Eine Zeichnung eines Gebäudes mit zahlreichen Fenstern und einem Schornstein, das als psychiatrische Klinik in Deutschland identifiziert wurde, begleitet von handgeschriebenem Text auf demselben Papier.

Gastarbeiter-Generation: Einsamkeit und psychische Belastungen im Alter

Vor über 60 Jahren warb Deutschland im Zuge des Arbeitskräftemangels nach dem Zweiten Weltkrieg Gastarbeiter aus dem Ausland an. Dazu gehörten auch die Eltern von Fatih Çevikkollu, die mit der Absicht einreisten, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Herausforderungen vieler Migrantenfamilien – von beruflichen Rückschlägen bis hin zu psychischen Belastungen im Alter.

Çevikkollus Vater, ein gelernter Schlosser, und seine Mutter, eine ehemalige Grundschullehrerin, kamen als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland. Das "Rotationsprinzip" – die Annahme, dass die Arbeitsmigranten irgendwann wieder ausreisen würden – wurde in den 1970er-Jahren aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen in der Türkei aufgegeben. Der berufliche Abstieg seiner Mutter von der Lehrtätigkeit zur Arbeit als Näherin führte zu einem Verlust an sozialem Status und belastete das Familiengefüge.

In ihren späteren Jahren lebte sie allein und litt vermutlich unter Psychosen. Ihr Fall verdeutlicht ein größeres Problem: Nur etwa 10 Prozent der über 65-Jährigen mit Migrationshintergrund erhalten psychiatrische Behandlung. Hindernisse sind unter anderem Sprachbarrieren, unterschiedliche Krankheitsvorstellungen und ein Mangel an kultursensiblen Angeboten.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Einsamkeit ist unter älteren Migrantinnen und Migranten weit verbreitet – oft verschärft durch Sprachdefizite, kulturelle Isolation und religiöse Unterschiede. Fachleute fordern mehr mehrsprachiges Pflegepersonal, Dolmetscherdienste und Therapieangebote, die auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe zugeschnitten sind. Ohne solche Maßnahmen bleibt die Behandlung für Menschen mit anderen Krankheitskonzepten schwierig.

Die Erfahrungen von Çevikkollus Familie zeigen die langjährigen Versorgungslücken bei alternden Migranten auf. Ein Ausbau interkultureller Gesundheitsversorgung – durch Sprachmittlung und kultursensible Therapien – könnte den Zugang verbessern. Ohne solche Reformen werden viele weiterhin mit unbehandelten psychischen Erkrankungen und Vereinsamung kämpfen.

Quelle