26 March 2026, 12:07

ARD verlängert Tagesschau auf 30 Minuten – kann das die Quoten retten?

Gruppe von Journalisten mit Kameras und Handys an einem hell erleuchteten Flughafen-Pressekonferenz, einige halten Taschen, mit einem Textschild an der Wand dahinter.

ARD verlängert Tagesschau auf 30 Minuten – kann das die Quoten retten?

Die ARD testet eine längere Version ihres Flaggschiff-Nachrichtenformats, der Tagesschau. Ab Montag um 20:15 Uhr wird die Hauptausgabe statt der üblichen 15 Minuten ganze 30 Minuten dauern. Der Sender erhofft sich von dem erweiterten Format, das Vertrauen in die Medien zu stärken und mehr Zuschauer zu gewinnen.

Die Einschaltquoten der traditionellen Tagesschau um 20 Uhr sind in den vergangenen fünf Jahren gesunken – von 7,5 Millionen auf etwa 6,2 Millionen im Jahr 2026. Zwar erholten sich die Zahlen im letzten Jahr leicht auf 6,5 Millionen, doch vor allem jüngere Zuschauer bevorzugen zunehmend kürzere, digitale Updates über die Tagesschau-App, die mittlerweile 15 Millionen monatliche Nutzer verzeichnet.

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn verteidigte den Versuch als Möglichkeit, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Eine längere Sendedauer biete den Zuschauern mehr Informationen und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation, so Schönenborn. Gleichzeitig räumte er ein, dass dies auch einen höheren Zeitaufwand für das Publikum bedeute.

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Kritik an der Entscheidung kommt von Medienexperten. Anna Mayr von der Zeit sieht das eigentliche Problem der Tagesschau nicht in der Länge, sondern in der Qualität. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung hinterfragte, ob die Jagd nach alltäglicher Relevanz die richtige Strategie sei. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, argumentierte, dass 15 Minuten für Nachrichten ausreichten, und warnte, dass ein 30-Minuten-Slot das ARD-Abendprogramm durcheinanderbringen könnte.

Der Testlauf ist vorerst befristet, und die ARD hat noch nicht entschieden, ob die Änderung dauerhaft umgesetzt wird. Der Sender steht vor der Herausforderung, traditionelle Fernsehgewohnheiten mit dem wandelnden Nutzerverhalten hin zu On-Demand-Inhalten in Einklang zu bringen.

Die verlängerte Tagesschau soll den Rückgang der Zuschauerzahlen umkehren und das Medienvertrauen festigen. Angesichts der zunehmenden Nutzung digitaler Plattformen durch jüngere Zielgruppen bleibt der Erfolg jedoch ungewiss. Die ARD wird das Feedback auswerten, bevor sie eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Formats trifft.

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