Wasserstoffenergie zwischen Fortschritt und Stillstand: Warum die Branche kämpft
Niklas NeumannWasserstoffenergie zwischen Fortschritt und Stillstand: Warum die Branche kämpft
Wasserstoffenergie-Projekte kommen voran – doch Herausforderungen bleiben für Unternehmen und Kommunen
Der norwegische Konzern Nel ASA treibt die Entwicklung mit großen Schritten voran, während die deutsche Stadt Bielefeld mit ihren wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeugen kämpft. Unterdessen zeigen die Aktienkurse der wichtigsten Akteure gemischte Reaktionen, denn der Sektor steht sowohl vor Chancen als auch vor Rückschlägen.
In den vergangenen zwei Jahren hat Nel ASA deutliche Fortschritte in der Wasserstoffproduktion gemacht. 2024 kündigte das Unternehmen eine 200-MW-PEM-Elektrolyseanlage in Herøya (Norwegen) an, die noch im Bau ist. Ein Jahr später sicherte es sich einen Liefervertrag über mehr als 100 MW Elektrolyseure für eine europäische Grünwasserstoff-Anlage. Anfang 2026 unterzeichnete Nel dann einen Rahmenvertrag über 1 GW alkalische Elektrolyseure mit einem nordamerikanischen Kunden. Trotz dieser Erfolge schwächelten jedoch Umsatz und Auftragseingang, sodass der Aktienkurs mit knapp über dem Allzeittief von 0,17 Euro verharren blieb. Am Montag eröffnete die Aktie in Stuttgart mit einem moderaten Plus von 2,5 Prozent bei 0,192 Euro.
Auch andere Unternehmen spüren den Gegenwind: ITM Power verlor 2,1 Prozent und fiel auf 0,73 Euro, obwohl das Unternehmen kurz zuvor die finale Investitionsentscheidung für ein weiteres Großprojekt bekannt gegeben hatte. Anleger zeigen sich zurückhaltend und warten auf konkrete Ergebnisse statt auf Ankündigungen. Ähnlich erging es Bloom Energy, deren Aktie um 1,7 Prozent auf 154,51 US-Dollar sank, nachdem es dem Unternehmen nicht gelang, weitere prestigeträchtige Verträge wie den früheren Deal mit Oracle zu sichern.
Doch nicht nur Unternehmen, auch Kommunen stehen unter Druck. In Bielefeld stehen die wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeuge seit Monaten still – wegen Treibstoffmangels. Die Stadt wehrt sich gegen Kritik und bezeichnet die Probleme als vorübergehende Rückschläge, bekräftigt aber gleichzeitig ihr Engagement für die Wasserstofftechnologie.
Der Wasserstoffsektor zeigt zwar Wachstumszeichen – etwa durch die Expansion von Nel ASA oder die Vorstöße anderer Firmen trotz Skepsis der Investoren. Doch betriebliche Hürden wie die stillstehenden Müllwagen in Bielefeld und finanzielle Belastungen machen deutlich, wie groß die Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung ist. Während die Entwicklung der Ölpreise neue Spielräume eröffnen könnte, müssen Unternehmen und Kommunen diese Herausforderungen meistern, um das Vertrauen in die Zukunft des Wasserstoffs zu stärken.