16 March 2026, 12:12

Streit um akademische Freiheit: Künstlerin Basma al-Sharif löst Debatte in Düsseldorf aus

Eine Gruppe maskierter Personen mit Schildern und Protesten vor einem gl├Ąserne W├Ąnde habe, mit Kameras, Texttafeln und einem Hund sichtbar.

Offener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Streit um akademische Freiheit: Künstlerin Basma al-Sharif löst Debatte in Düsseldorf aus

Wachsende Debatte um akademische Freiheit in Deutschland nach Vortragseinladung an palästinensische Künstlerin

In Deutschland hat sich ein zunehmender Streit um die akademische Freiheit entzündet, nachdem die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif an die Kunstakademie Düsseldorf eingeladen wurde, um dort zu sprechen. Die ursprünglich wegen Forderungen nach Absage in der Kritik stehende Veranstaltung fand nach einer rechtlichen Prüfung, die ihre Äußerungen als nicht strafbar einstufte, intern statt. Nun haben über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturprominente einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die Rektorin der Akademie verteidigen und vor politischer Einmischung in die Hochschulen warnen.

Der Konflikt begann im Januar 2026, als al-Sharif an der Akademie sprechen sollte. Pro-israelische Gruppen forderten die Absage der Veranstaltung und beriefen sich dabei auf ihre Social-Media-Beiträge, in denen sie Israel kritisierte – diese wurden als antisemitisch bewertet. Sowohl Düsseldorfs Oberbürgermeister als auch der Wissenschaftsausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalen sprachen sich gegen den Vortrag aus. Eine juristische Prüfung ergab jedoch, dass ihre Aussagen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Die Akademie führte die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch, nachdem es in sozialen Medien Drohungen gegeben hatte. Dennoch hielten die Forderungen nach dem Rücktritt der Rektorin Donatella Fioretti an. Als Reaktion darauf veröffentlichte eine Gruppe prominenter Unterzeichner:innen – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser sowie die Historikerinnen Barbara Stollberg-Rilinger und Eva von Redecker – einen öffentlichen Brief, in dem sie den politischen Druck scharf verurteilten.

Die Unterzeichnenden berufen sich auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der auch unpopuläre oder kontroverse Standpunkte in Kunst, Wissenschaft und Lehre schütze. Sie kritisieren eine im Wissenschaftsausschuss des Landtags verwendete Metapher, die ihrer Ansicht nach grundlegende Freiheitsrechte unberechtigt unter Generalverdacht stelle. Der Brief betont zudem, dass Angriffe auf institutionelle Verantwortungsträger:innen ein gefährliches Präzedenz für künftige politische Einflussnahme schaffen könnten.

Fioretti wird in dieser Woche vor einer Sonderitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags aussagen.

Der offene Brief fordert die Abgeordneten auf, sich erneut klar zu den verfassungsmäßigen Schutzrechten gegen Zensur zu bekennen. Mit über 1.100 Unterzeichnenden unterstreicht er die Sorge, dass politische Einmischung die akademische und künstlerische Unabhängigkeit untergraben könnte. Fiorettis anstehende Anhörung wird die Debatte voraussichtlich weiter in der Öffentlichkeit halten.

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