Langzeitarbeitslose kritisieren Jobcenter: Beratung bringt kaum Fortschritte für den Berufseinstieg
Lea WagnerFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Langzeitarbeitslose kritisieren Jobcenter: Beratung bringt kaum Fortschritte für den Berufseinstieg
Eine neue Umfrage offenbart tiefe Frustration unter Langzeitarbeitslosen in Deutschland mit der Unterstützung durch die Jobcenter. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass die Beratungstermine kaum etwas an ihren Berufsaussichten verbessert hätten. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung plant, die Sozialleistungsregeln im kommenden Jahr grundlegend zu reformieren.
Die von der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Studie basiert auf den Antworten von über 1.000 erwerbslosen Personen zwischen 25 und 50 Jahren. Alle Bezüger:innen erhielten zum Zeitpunkt der Befragung zwischen April und Juni 2025 seit mindestens einem Jahr Bürgergeld.
Trotz der Kritik bewerteten die meisten Teilnehmenden das Personal der Jobcenter positiv. Über zwei Drittel zeigten sich mit der Arbeit der Jobcenter zufrieden, fast drei Viertel beschrieben die Mitarbeiter:innen als kompetent. Dennoch zeigte die Umfrage eine deutliche Kluft: 46 Prozent der Leistungsbeziehenden hatten mit mehreren Hindernissen zu kämpfen – etwa gesundheitlichen Problemen oder fehlenden Qualifikationen.
Die Bertelsmann Stiftung schlug vor, dass Jobcenter bei denen, die keine größeren Hürden überwinden müssen, konsequenter vorgehen sollten. Eigeninitiative bei der Stellensuche zu fördern – selbst wenn dies die Zufriedenheit senkt – könnte langfristig zu besseren Ergebnissen führen. Für andere empfahl der Bericht mehr Coaching, Weiterbildungsmaßnahmen und direkte Arbeitsvermittlung, um die Wirksamkeit zu steigern.
Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen seit der Ablösung von Hartz IV durch das Bürgergeld 2023 kaum Fortschritte. Die Beschäftigungsquote unter den Leistungsbeziehenden bleibt mit jährlich nur 5 bis 10 Prozent niedrig. Strukturelle Probleme wie Fachkräftemangel und regionale Unterschiede erschweren weiterhin den Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Als Reaktion hat der Bundestag eine Reform beschlossen, die strengere Regeln für Sozialleistungen vorsieht. Das neue System, das am 1. Juli 2026 in Kraft treten soll, wird das Bürgergeld durch ein neues Grundsicherungsmodell ersetzen.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen die anhaltenden Herausforderungen bei der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Zwar wird die Kompetenz der Jobcenter-Mitarbeiter:innen gelobt, doch viele Leistungsbeziehende scheitern weiterhin am Berufseinstieg. Die anstehenden Sozialreformen werden zeigen müssen, ob strengere Vorgaben und gezielte Förderung die Chancen für Arbeitslose verbessern können.






