Kunst oder Politik? Biennale Venedig 2025 zwischen Boykott und Besucher-Löwen
Niklas NeumannKunst oder Politik? Biennale Venedig 2025 zwischen Boykott und Besucher-Löwen
Die Biennale Venedig 2025 hat mit 100 Nationalpavillons und 111 Teilnehmenden unter dem Motto In Moll eröffnet – doch eine Kontroverse überschattet die Veranstaltung: Die internationale Jury kündigte einen Boykott gegen Länder an, deren Führungspersonen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind. Betroffen sind damit direkt Israel und Russland. Die Entscheidung löste Rücktritte aus und führte zu einer Reform des Preissystems.
Der Boykott nahm seinen Lauf, als alle fünf Jurymitglieder aus Protest zurücktraten. Ihr Schritt zwang die Organisatoren, die Verleihung der Goldenen Löwen zu verschieben und stattdessen die Besucher-Löwen einzuführen – einen neu geschaffenen, öffentlich abgegebenen Publikumspreis. Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung sprachen sich öffentlich gegen den Boykott aus und argumentierten, dass kulturelle Veranstaltungen keine Nationen ausschließen dürften.
Der russische Pavillon mit dem Titel Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel bleibt trotz der Auseinandersetzungen geöffnet. Kuratiert von Anastasiia Karneeva präsentiert er Werke von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern. Auch Israels Ausstellung Die Rose des Nichts, kuratiert von Michael Gov zusammen mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller, ist vom Boykott nicht betroffen und zeigt Arbeiten des Künstlers Belu-Simion Fainaru.
Portugals Beitrag RedSkyFalls wird im Palazzo Fondaco Marcello gezeigt. Der Künstler Alexandre Estrela, Schöpfer des Projekts, kritisierte öffentlich die Teilnahme Russlands und Israels an der Biennale. Unterdessen vertreten Brasilien und Osttimor die lusophone Welt unter den teilnehmenden Nationen.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. November 2025.
Durch den Boykott entfiel die Vergabe der Goldenen Löwen; stattdessen entscheiden nun Publikumstimmen über die Besucher-Löwen. Trotz der Kontroverse bleiben alle Nationalpavillons – einschließlich der Israels und Russlands – für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Die Biennale dauert sechs Monate und bietet Künstlern weltweit eine Plattform, während die politischen Debatten anhalten.






