Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – warum die Debatte die Stadt spaltet
Niklas NeumannBulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – warum die Debatte die Stadt spaltet
Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow abgebaut – eine Entscheidung des Stadtrats, die eine Debatte ausgelöst hat. Während einige dies als Schritt zur Entkolonialisierung begrüßen, verteidigen andere Bulgakows Verbindung zur kulturellen Geschichte der Stadt. Nun hat die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk die Demontage als „sinnlos“ kritisiert und ihren Zweck infrage gestellt.
Die Bronzestatue, die sich am Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig befand, wurde im Rahmen einer breiter angelegten Initiative entfernt, mit der Symbole der russischen Imperialpolitik beseitigt werden sollen. Das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung hatte Bulgakow zu den Kulturschaffenden gezählt, die mit diesem Erbe in Verbindung stehen. Befürworter der Entscheidung argumentieren, sie stehe im Einklang mit den Bestrebungen der Ukraine, sich von russischem Einfluss zu lösen.
Popadjuk hingegen äußerte sich deutlich gegen den Abbau. Sie betonte Bulgakows enge Verbindung zu Kiew, wo er geboren wurde und als Arzt arbeitete. Seine Werke, so ihre Argumentation, hätten die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft entlarvt – eine Erfahrung, die Ukrainer:innen nur allzu gut kennen. Sie erinnerte sich daran, Der Meister und Margarita mit 14 Jahren gelesen zu haben, ein Buch, das bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterließ.
In ihrer Kritik bezeichnete Popadjuk die Demontage als leere Geste. Zum Abschluss ihrer Äußerungen zitierte sie Bulgakow selbst: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“
Die Entfernung des Bulgakow-Denkmals spiegelt Kiews anhaltende Neubewertung öffentlicher Symbole mit Russlandbezug wider. Popadjuks Worte unterstreichen die Spaltung zwischen denen, die den Schriftsteller als Teil des ukrainischen Erbes betrachten, und jenen, die ihn mit dem imperialen Vermächtnis verbinden. Die Debatte über seinen Platz in der Stadtgeschichte wird voraussichtlich weitergehen.






