Brasilien versteigert Öl- und Gasblöcke im Amazonas – trotz Proteste und ohne Umweltprüfung
Niklas NeumannBrasilien versteigert Öl- und Gasblöcke im Amazonas – trotz Proteste und ohne Umweltprüfung
Brasiliens Nationale Agentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe (ANP) versteigerte am 17. Juni 2025 große Förderrechte für fossile Brennstoffe. Bei der Auktion wurden 172 Erdöl- und Erdgasblöcke zur Erschließung angeboten, darunter 68 im Amazonasgebiet. Kritiker verurteilen den Schritt als Rückschlag für Umwelt- und Indigenenrechte.
An der Versteigerung beteiligten sich multinationalen Konzerne wie Chevron, Chinas CNPC, ExxonMobil und Petrobras, die sich Förderlizenzen sicherten. Von 47 Blöcken an der Amazonasmündung wurden 19 vergeben, die zusammen 16.312 Quadratkilometer Meeresgebiet umfassen. Vor dem Verkauf wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung der Sedimentgebiete (AAAS) durchgeführt.
Indigene Führer und Aktivisten verurteilten das Vorgehen scharf. Häuptling Jonas Mura vom Volk der Mura warnte, die Auktion werde Zerstörung, Verschmutzung, Armut und Krankheiten in den Amazonas bringen. Gisela Hurtado von Stand.earth bezeichnete sie als Verstoß gegen das Pariser Klimaabkommen und als Bedrohung für indigene Territorien. Zudem erfolgte die Vergabe ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften – ein Verstoß gegen das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Rechtliche Hindernisse gab es bereits im Vorfeld: Die Bundesstaatsanwaltschaft Brasiliens beantragte eine einstweilige Verfügung zur Aussetzung der Auktion und verwies auf Verfahrensmängel sowie unzureichende Umweltstudien. Umweltschützer argumentieren, der Schritt untergrabe Brasiliens Rolle als Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP30 und stehe im Widerspruch zu seinen Klimazielen.
Die Versteigerung hat breite Kritik wegen Umwelt- und Menschenrechtsbedenken ausgelöst. Ohne vorherige Folgenabschätzung und gegen den Widerstand indigener Gruppen sehen sich die vergebenen Lizenzen rechtlicher und ethischer Prüfung ausgesetzt. Die Entwicklung wirft Fragen zu Brasiliens Energiepolitik im Vorfeld der globalen Klimaverhandlungen auf.






