Aus Kohlegruben werden Seen: NRWs ehrgeiziges Flutungsprojekt und seine Risiken
Leni HerrmannAus Kohlegruben werden Seen: NRWs ehrgeiziges Flutungsprojekt und seine Risiken
Drei ehemalige Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen sollen in den nächsten zehn Jahren zu riesigen Seen werden. Ab 2030 wird das Tagebaugebiet Hambach mit Rheinwasser geflutet, gefolgt von Inden im selben Jahr und Garzweiler 2036. Das ehrgeizige Vorhaben zielt darauf ab, ehemalige Industrieflächen in neue Natur- und Erholungslandschaften zu verwandeln.
Doch bereits jetzt gibt es Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität, der Sicherheit und möglicher Versorgungsengpässe in der Region.
Eine 45 Kilometer lange Pipeline, bestehend aus 10.000 massiven Rohren – einige mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern –, soll Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten. Das von dem Energieunternehmen RWE geleitete Projekt soll nicht nur neue Seen und Lebensräume schaffen, sondern auch einen ausgeglichenen Wasserkreislauf in der Region erhalten. Behörden sprechen von einer Chance, die Lebensqualität zu verbessern und Feuchtgebiete wiederherzustellen.
Das Genehmigungsverfahren für die Einleitung von Wasser in Hambach läuft noch. Die Bezirksregierung Arnsberg plant, die entsprechenden Verfahren in diesem Herbst einzuleiten, obwohl die Pipeline selbst bereits Ende Januar die Zustimmung erhielt. Unklar bleibt, wie viele weitere Genehmigungen erforderlich sind und welche anderen Behörden beteiligt werden.
Kritiker, darunter Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben, äußern Zweifel an dem Plan. Sie verweisen auf Kontaminationsrisiken durch "ewige Chemikalien" wie PFAS, die die Wasserqualität gefährden könnten. Der lokale Aktivist Andreas Büttgen warnt zudem vor Sicherheitsrisiken für Besucher der künftigen Seen und der Möglichkeit, dass RWE das Projekt aufgibt – mit langfristigen Kosten für die Steuerzahler.
Büttgen fordert strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers, bevor es in die Tagebaue geleitet wird. Seine Sorgen gehen über die Verschmutzung hinaus: Er befürchtet, dass die Region mit Wasserknappheit konfrontiert sein könnte, insbesondere durch wasserintensive Projekte wie das neue Hyperscale-Rechenzentrum von Microsoft, das enorme Mengen an Kühlwasser benötigt.
Die Flutung von Hambach, Inden und Garzweiler wird die Landschaft der Region in den kommenden sechs Jahren grundlegend verändern. Bei Erfolg könnten die Seen neue Freizeiträume und Lebensräume für Wildtiere bieten. Doch ungelöste Fragen zu Genehmigungen, Kontaminationsrisiken und der Wasserversorgung bleiben zentrale Herausforderungen, bevor das Projekt voranschreiten kann.






